Künstlerportrait
Axel Richters Bronzeplastiken erzählen vom Fluß des Lebens. Sie sind in Metall gegossene Poesie; Flüchtiges und Ungreifbares finden einen sichtbaren, für alle Ewigkeit festgehaltenen Ausdruck. Es ist, als ob ihre Formensprache dort ansetzt, wo Worte Unaussprechliches nicht mehr fassen können. Ihre Titel, darunter Ausgewogen, Aufbruch oder Keim sind lediglich als reine Bestätigung dessen zu sehen, was diese Formen beim Betrachter innerlich auslösen. Denn titelmäßige Hinweise zur Entschlüsselung per se benötigen sie nicht. Die Arbeiten sind in sich vollkommen und transportieren ihre Essenz von sich heraus. Sie kommen völlig ohne künstlerisch-ironische Ambivalenzen aus. Jedoch ist es gerade ihre einzigartige, spannungsgeladene Mehrschichtigkeit, die ihre kraftvolle Offenheit ausmacht.
Die Bronzeplastiken sind in ihrer Ganzheit abgerundet und erzählen von absoluter Klarheit. Sie leben in ihren ganz eigenen Spannungsfeldern. Sie ruhen in sich selbst und gleichzeitig drängen sie in den Raum hinein, um über sich selbst hinauszuwachsen. Materialtechnisch in einer gewissen Schwere verankert, scheinen die Formen den Raum zu erforschen und in einen Dialog mit ihm zu treten. Oberflächen changieren zwischen hochglänzend und beinahe organischer Rauheit. Diese natürlichen Gegensätze werden dadurch unterstrichen, daß die Plastiken oft an nur einem Punkt mit ihren hölzernen Sockeln verbunden sind. Schwerkraft scheint außer Kraft gesetzt zu werden. Bronzeschimmernde Leichtigkeit, kühle Solidität, immer in Verbindung mit dem Kern. Es ist ihre gelassene Ausgewogenheit, die innerliche Idealzustände reflektieren. kvb