Portrait
Vertieft man sich in die Bilder der Berliner Malerin Susanne Knaack, eröffnen diese Wege zu breitgefächerten Assoziationen oder verschütteten Erinnerungen. Was für den einen Betrachter wie Strömungen einer tobenden Meeresoberfläche erscheint, definiert ein anderer als dahingleitende Wolkenbilder, vereinsamte Schneefelder oder intensiv erlebte Wüstennächte. Die schwarze und weiße Acrylfarbe zerfließt auf der Leinwand und zeichnet einander vermischend überraschende Momentaufnahmen. Susanne Knaack lässt die Farben ineinander laufen und sich kreuzen, indem sie die Leinwand jeweils mehr oder weniger kippt, dreht, schüttelt und schaukelt. Genau wie das Meer selbst, erscheinen ihre Bilder immer wieder variiert und verwandelt.
Interessant ist die Entwicklung von einem zunächst abstrakten, bewegten Experiment zu einer nahezu gegenständlichen Malerei. Denn im Laufe des Entstehungsprozesses geht die Künstlerin vom Eigenleben der Farbe aus und versetzt diese unter vollem Körpereinsatz in Bewegung. Die Malerin wird dabei zum Medium, das den Zufall lenkt. Ihre Bilder sind – so sagt sie selbst – "wie die Natur", während die Zeichnungen, die ebenfalls entstehen, Stilleben "nach der Natur" sind. (Ausst. Kat. Susanne Knaack. Malerei und Grafik, hg. von der Kunststiftung Poll, Berlin 2003, S. 6)
Jeder Betrachter beschreibt das Ergebnis schließlich mithilfe seiner eigenen Wahrnehmungen und Verknüpfungen und findet eine eigenen Definition des Gesehenen. Am Ende stellt sich uns die Frage, ob es sich bei ihren Bildern um "Seestücke" oder besser "Sehstücke" handelt. Susanne Knaack macht deutlich, wie vielseitig und vielschichtig die Beschäftigung mit der See doch sein kann.
Susanne Knaack lebt und arbeitet derzeit in Berlin. In den letzten fünfzehn Jahren hat die Künstlerin die Technik des "Schüttens" immer weiter vervollkommnet.
KS